Oft erlebe ich über die Jahre Situationen bei den Tieren, von denen ich nie für möglich gehalten hätte, dass sie irgendwann einmal so sein würden wie ich sie jetzt erlebe. Speziell bei den Tieren, die als bösartig vom Umfeld abgehackt werden. Sei es mein guter alter Mr. Black, der den Menschen Angst einflösste oder jetzt Devil.

Seine Wunden verraten dass er wohl das ranghöchste Tier der unkastrierten Kater ist. Die Verlierer haben im Regelfall Wunden am Körperende, die ihnen vom Sieger noch bei der Flucht zugefügt werden, während die Gewinner im Gesicht ihre Blessuren davon tragen.
Noch im letzten Jahr musste ich mit erleben wie er sich in andere Tiere so verbissen hat, dass ich mir keinen anderen Rat wußte als einen Eimer Wasser über ihn zu leeren. Er war das Schreckgespennst von Mrs. Schneeulchen, Lady und Red.
Genau ihn erlebe ich nun, wie er über Stunden im Asyl liegt, wo auch Red, Mrs. Schneeulchen, Lady oder Mimi liegen (die noch vor einem Jahr wenn sie ihn nur sahen geflüchtet sind). Er, der sich nun an meine Beine schmiegt und seelig schnurrt wenn man ihn streichelt. Zugegeben, so ganz scheint er selber mit dieser Rolle noch nicht klar zu kommen.

Nachdem er sich streicheln ließ und gefressen hat, sitzt er noch eine lange Zeit auf dem Zaun, der das Asyl nach außen trennt und scheint sich zu fragen: “Was mache ich hier eigentlich und wie mache ich das eigentlich?”.
Gerade durch seine schweren Fleischwunden, die er derzeit hat, bin ich froh dass er regelmässig hier ist und ich ihm Traumeel “unterjubeln” kann.

Alles Dinge, die massgeblich durch die Massenkastrationen (denn anders kann ich das nicht nennen, was ich die letzten beiden Jahre hier durchziehe) gefördert wurden. Manche Tiere werden durch die Kastration ruhiger (Nighty ist eine glorreiche Ausnahme) und dadurch ist Devil, als wohl einer der wenigen unkastrierten Tiere, kaum in Versuchung zu kämpfen oder zu begatten.
Wenn ich mir nur Lady ansehe, ich erlebte sie wie sie vor Angst den Urin verlor als er sie begattete - sie frisst nun mit ihm an einem Napf; ohne jegliche Angst. Überhaupt ist sie nicht wieder zu erkennen seit sie kastriert ist. Sie beginnt zu spielen, die alte Dame und ist ein Kuscheltiger ohne gleichen. Während die rollige Shy sich im Nachbarshof vor den Katern wälzt, rennt Lady zu mir hoch um sich Streicheleinheiten zu holen. Der Weg der Kastration war ein schwerer - für sie und mich. Sehe ich aber die Resultate, dann würde ich diese unglaublichen Veränderungen der Tiere am liebsten im Film festhalten.

Speziell wenn ich solche Momente erlebe, von denen ich noch vor einem Jahr nicht gedacht hätte, dass es sie jemals geben wird, steigt meine Achtung vor der Tierwelt.
Sie da oben, Streuner, ungeliebt und abgeschoben von den Dosis, machen uns doch allen etwas vor! Was erleben wir oft am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft?! Wie häufig bessert sich dort eine Situation und wird aus Problemen Übereinstimmung? Ich vermute mal sehr selten - während der Mensch zur Steigerung zu neigen scheint hat die Tierwelt wohl eine andere Art von “leben und leben lassen”…..
Meine Sorgenkinder wie Lady und Red scheinen auf einem fast gesunden Weg zu sein. Spotty ist nicht topfit aber fit und Shy wird zutraulicher was darauf hindeutet, dass ihre Kitten bald irgendwohin geschleppt werden.